Victorinox Taschenmesser
Ende des 19. Jahrhunderts schrieb die Schweizer Armee einen Auftrag für die Lieferung von Soldatenmessern aus. Dieses Messer sollte geeignet sein, um beim Essen zu helfen, darüber hinaus allerdings auch noch Werkzeuge besitzen, mit denen Gewehre gewartet werden konnten.
Im deutschen Solingen gab es bereits grosse Messer-Manufakturen, wohingegen die Schweiz wirtschaftlich und industriell noch weniger entwickelt war. Der Schweizer Messerschmied Karl Elsener gründete daher 1884 den Schweizerischen Messerschmiedverband, um die Soldatenmesser im eigenen Land herzustellen. 1891 erfolgte dann die erste Lieferung an die Schweizer Armee. Viele seiner Kollegen gaben allerdings ein Jahr darauf auf, da der Betrieb im deutschen Solingen seine Messer kostengünstiger herstellen konnte, sodass Karl Elsener mit grossen Verlusten als einziger übrig blieb. Unter Mithilfe seiner Verwandten gelang es ihm, eine Nachlassstundung zu erreichen, und somit den drohenden Konkurs abzuwenden. Durch den grossen Erfolg des Offiziers- und Sportmessers, das er als leichteren, funktionelleren Nachfolger des Soldatenmessers entwickelte, konnte er später freiwillig alle Nachlassgläubiger inklusive Zinsen entschädigen.
Auch wenn das Offiziersmesser nicht wie sein Vorgänger zu einem offiziellen Rüstungsgegenstand der Schweizer Armee wurde, sollte es später seiner Firma zum internationalen Durchbruch verhelfen. Das Swiss Army Knife, wie es auch genannt wird, wurde stets weiterentwickelt und ist inzwischen in über 100 Ausführungen erhältlich. Nach dem Tod seiner Mutter Victoria wählte Karl Elsener 1909 ihren Vornamen als Fabrikmarke. Mit der Erfindung und zunehmenden Verbreitung rostfreien Stahls, der eine wichtige Rolle in der Produktion der Messer spielt, wurde 1921 aus der Fabrikmarke Victoria und dem internationalen Kennzeichen für rostfreien Stahl INOX die Firmenbezeichnung Victorinox.
Nach wie vor in Familienhänden, stärkte das Unternehmen im 20. Jahrhundert seine internationale Position nach und nach durch die weltweite Eröffnung von Verkaufsniederlassungen und die stetige Weiter- und Neuentwicklung der Taschen- und Haushaltsmesser. 1999 folgte die Produktion von Uhren in einer eigenen Uhrenfabrik im französischsprachigen Teil der Schweiz, gefolgt von Kleidung aus den USA. Eine Gepäcklinie wird in Lizenz hergestellt und vertrieben. Dass dem Unternehmen auch im 21. Jahrhundert die Ideen nicht ausgegangen sind, bewies Victorinox mit der Markteinführung von SWISSMEMORY, einer Kombination aus Taschenmesser und USB-Stick. Und dieser Trend geht weiter. Ende des Jahres 2005 kam s.beat, das Taschenmesser mit eingebautem MP3-Player mit 1 oder 2 GB Speicherkapazität auf den Markt. 2006 soll ein Modell mit 4 GB folgen.