TASCHENMESSER

Opinel Taschenmesser

Herkunft

In der Werkstatt seines Vaters, des Werkzeugmachers im kleinen Dorf Albiez-Le-Vieux bei Saint-Jean-de-Maurienne, konstruierte der achtzehnjährige Joseph Opinel im Jahre 1890 ein einfaches und robustes Klappmesser. Um Form und Funktion an seine Vorstellungen anzupassen und das Messer kostengünstig in Serienfertigung herstellen zu können, entwickelte er zunächst eine Vorrichtung aus einer kleinen Kreissäge, mit deren Hilfe er einen Schlitz zur Aufnahme der zugeklappten Klinge in den hölzernen Griff sägen konnte. So gelang ihm der Entwurf eines sehr handlichen und zudem preiswerten und haltbaren Arbeitsmessers für die Hosentasche, das sich im von der Landarbeit geprägten Savoyen gut verkaufte. Bereits 1896 stellten drei angestellte Handwerker täglich 60 Exemplare her. Im Jahre 1901 war die elterliche Werkstatt zu klein für die Messerproduktion geworden, so dass Opinel im gleichen Ort eine größere Werkstatt baute, in der er fünfzehn Mitarbeiter beschäftigte. Hier gab es erstmals einen Dynamo für die Stromversorgung. 1909 registrierte Joseph Opinel sein Markenzeichen, die gekrönte Hand, zur Kennzeichnung seiner Produkte.

Vertrieben wurden die Messer zunächst über Hausierer, die damals über Land reisten und die Bevölkerung mit Kurzwaren belieferten – Josephs Onkel Victor-Amédée war selbst ein solcher. Bald schon erschloss Opinel aber weiter reichende Vertriebswege und begann den Export der Messer in die Nachbarländer Italien und die Schweiz. 1911 nahm er mit seinen Produkten an der internationalen Ausstellung in Turin teil und erhielt eine Goldmedaille für seine Arbeit.

Ab 1920 erfolgte die Produktion in einer neuen Manufaktur in Cognin bei Chambéry. Bis zum Beginn des 2. Weltkrieges wurden 20 Millionen Exemplare verkauft. Sitz und größter Produktionsstandort der Firma ist seit 1973 Chambéry. Die Firma ist bis heute im Opinel'schen Familienbesitz und wird von Denis Opinel, einem Urenkel Joseph Opinels, geleitet. In Saint-Jean-de-Maurienne betreibt man heute ein „Opinel-Museum“ (Le Musée de l'Opinel). Opinel beschäftigt heute an den beiden Produktionsstätten Cognin und Chambéry rund 100 Mitarbeiter. Mit Hilfe automatisierter Fertigungsprozesse werden jährlich vier bis fünf Millionen der Klappmesser für den weltweiten Vertrieb hergestellt.

Werkstoffe

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Das ursprüngliche, bis heute produzierte Modell ist aus den für seinen Herkunftsort typischen Materialien hergestellt: Der Griff entsteht aus dem Holz der Buche, die Klinge wird aus Kohlenstoffstahl, wie er im 19. Jahrhundert vielerorts in Frankreich von lokalen Eisenhütten hergestellt wurde, geschmiedet. Dieser thermisch gehärtete Messerstahl hat einen Kohlenstoff-Anteil von 0,9 Prozent. Ein solcher Werkstoff ermöglicht der Klinge eine hohe Schärfe und Zähigkeit, führt aber auch zu höherem, wenn auch gleichmäßigem Verschleiß, der regelmäßiges Nachschärfen erforderlich macht. Da dieser Stahl weder Chrom noch Carbide enthält, zeigt die Klinge nach Kontakt mit Säuren Anlauffarben. Sie sollte nach Gebrauch abgetrocknet und im Idealfall mit etwas Öl behandelt werden, um Rost zu vermeiden.

In den letzten Jahren brachte Opinel zahlreiche Variationen des Basismodells auf den Markt. Dabei wurden auch edle Holzarten wie Eiche, Walnuss, Olive, Rosenholz und gebeizte Hainbuche verwendet, ebenso andere Materialien wie etwa Horn vom afrikanischen Rind. Rostfreie Klingen sind ebenfalls erhältlich. Sie sind beim ziehenden Schnitt auf unterem Niveau schnitthaltiger als die Kohlenstoffstahlklingen, erreichen jedoch nicht deren Schärfe. Auch lassen sie sich aufgrund der enthaltenen Carbide schwerer schleifen.

Aufbau

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Der Aufbau des Opinel-Messers ist sehr einfach, denn es besteht aus lediglich vier beziehungsweise fünf Bauteilen: Eine Klinge, ein hölzerner Griff, ein Drehzapfen zum Klappen der Klinge, eine Blechmanschette am vorderen Ende sowie darüber (außer im Falle der kleinsten Modelle bis Größe n°5) ein drehbarer Sicherungsring („Virobloc“). Mit diesem kann man die Klinge im offenen Zustand arretieren, um Verletzungen der Hand durch unabsichtliches Zuklappen des Messers zu verhindern. Der patentierte, im Jahre 1955 eingeführte Sicherungsring ist ringförmig ausgebuchtet und wird so vom Drehzapfen als Manschette um den Griff geführt. Er ist nicht absolut zylindrisch geformt, sondern klingenseitig leicht abgeschrägt, um eine Lockerung der Klingenarretierung im Gebrauch zuverlässig auszuschließen. In den letzten Jahren entwickelte man diesen Mechanismus weiter, so dass er nun auch die Klinge im geschlossenen Zustand gegen unbeabsichtigtes Öffnen blockieren kann.

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Die elegante Klingenform ist an ein traditionelles, als yatagán bekanntes Design angelehnt. Das Griffende erinnert an die Form eines Fischschwanzes, ein Element der besonderen Eignung als Anglermesser, da sich gefangene Fische mit der Griffkante schnell und waidgerecht durch einen Schlag töten lassen.

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Es gibt inzwischen eine Vielzahl verschiedener Modelle. Einige davon haben eher Sammlerwert als praktischen Nutzen, so gibt es mit dem „Géant Opinel“ eine überdimensionierte Version mit einer 22 Zentimeter langen Klinge, die im ausgeklappten Zustand eine Messerlänge von über 50 Zentimeter ergibt. Schmalere und längere Modelle eignen sich zum Filetieren von Fisch. Es gibt Werkzeuge wie eine Hippe für den Gartenbau oder eine Klappsäge. Auch Küchenmesser und Besteck ohne Klappmechanismus werden unter der Marke Opinel vertrieben. Angelehnt an das klassische Modell ist in der Größe n°7 auch ein Messer für Kinder ab fünf Jahren erhältlich, dessen Spitze abgerundet ist.

Das in den USA auch als „French Knife“ bekannte Standardmodell ist im Museum of Modern Art in New York City ausgestellt. Im Jahre 1985 wurde es im Rahmen einer Ausstellung über Produktdesign im Victoria and Albert Museum in London präsentiert.

Logo

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Das Symbol der main couronnée („die gekrönte Hand“) war bereits auf den ersten Opinel-Messern eingestanzt. Später wurden die Worte OPINEL und FRANCE hinzugefügt, ebenso wie INOX („rostfrei“) bei Klingen aus rostfreiem Stahl.

Das Hand-Symbol wurde dem Stadtwappen von Saint-Jean-de-Maurienne entnommen. Die heilige Thekla soll im 6. Jahrhundert drei Finger der Hand von Johannes dem Täufer aus Alexandria als Reliquie in den Ort gebracht haben. Die Krone symbolisiert das Herzogtum Savoyen.